North of Berlin – Motorradbekleidung vom feinsten!

Wieviele Labels gibt es, die vorgeben Kleidung für Motorradfahrende zu machen? Und wie oft sind diese Klamotten dann wirklich auf unsere Bedürfnisse angepasst und sehen dabei noch gut aus? Letztes Jahr war ein Mensch zum ersten Mal zu Gast beim Haselrodeo, der seine Leidenschaft und Expertise zusammengeführt hat und mit Liebe fürs Detail ein Projekt gestartet hat. Eine echte Haselrodeo Story sozusagen. Dürfen wir vorstellen: Karsten und North of Berlin.

Moin Karsten! Wer ist dieser sympathische Typ, der seine Karriere in der Motorradbekleidungsindustrie an den Nagel gehängt hat und jetzt sein eigenes Label gegründet hat? Bitte ein paar Hardfacts wie Alter, Wohnort etc 

 Man ist so alt, wie man sich fühlt. Manchmal 20, manchmal eben älter. Geboren und aufgewachsen in Berlin. Jetzt im Norden von Berlin lebend. Ohne Motorrad geht’s überhaupt nicht. Das ist meine persönliche Freiheit.

Du hast aktuell verschiedene Motorräder, mit denen du im Alltag unterwegs bist, aber auch längere Touren fährst. Was steht da aktuell in der Garage?

Aus Platzmangel stehen aktuell nur vier Motorräder in meiner Garage. Der Parität wegen zwei Harley‘s und zwei BMW’s. Dafür aber stilistisch aus jeden Dorf ´ne Kuh. Racer, Enduro, Oldtimer und eine Harley Dyna Glide mit jetzt über 200.000 km auf dem Tacho. Meine Reise-Kuh sozusagen.

" Ohne Motorrad geht’s überhaupt nicht. Das ist meine persönliche Freiheit. "

Was war deine längste Motorradtour und wo hat sie dich entlang geführt?

Von Berlin nach Ungarn und Slowenien, weiter über Italien und Frankreich nach Südspanien und über Frankreich retour nach Berlin. Keine Weltreise, aber immer schön auf kleinen Straßen. Grundsätzlich sind die jährlichen Touren immer als Rundreisen geplant. Letztes Jahr in die Pyrenäen und später dann nochmal nach Wales. Dieses Jahr muss Schottland sein.

Was reizt dich daran lange Touren mit dem Motorrad zu fahren? Was ist für dich der Hauptunterschied zu Zug oder Auto? 

Reisen an sich ist kulturell wertvoll. Und damit meine ich auf keinen Fall Pauschalurlaube. Reisen bedeutet, sich auf andere Menschen und Kulturen einzulassen, andere Länder selbst zu erkunden. Zug oder Auto sind auf’s Ankommen fixiert und machen für mich hier wenig Sinn. Auf dem Motorrad erlebt man eine Reise viel intensiver.

 

Du bist auf einer MZ die ersten Touren gefahren, später dann auf Harleys und BMWs. Was haben dich diese Touren gelehrt was Kleidung und Gepäck angeht?

Die allererste Tour war sogar noch früher. Mit 15 und einer Simson S50 von Berlin an die Ostsee und drängelnden LKW’s im Genick. Seitdem finde ich es gut, wenn die Klamotten halbwegs trocken bleiben. Wenn man mal durchweicht: naja, nicht so toll, aber Teil des Abenteuers.

Wie bist du zu Modedesign gekommen? Hatten deine Fahrerfahrungen Einfluss auf deine Ausrichtung oder ging es für dich nicht von Anfang an um Motorradkleidung?

Modedesign stand eigentlich nicht im Fokus, obwohl ich relativ früh eigene Klamotten gestaltet und genäht habe. Zum Design bin ich dann über einen Job beim Film gekommen. Nach dem Studium ging es allerdings relativ gerade in die Motorradbekleidung. Es hilft ungemein, wenn man vom dem, was man macht, auch eine ungefähre Ahnung bezüglich der Notwendigkeiten hat. Wenn es auch noch mit den persönlichen Vorlieben zusammenpasst, ist es umso besser.

Was sind deiner Meinung nach Key-Features, die Motorradklamotten im Jahr 2024 erfüllen können müssen?

Die Bekleidung muss stilistisch zu mir und meinen Fahrzeugen passen. Manchmal ist weniger mehr und mit Features überfrachtete Bekleidung unnötig. 

Key-Features sind immer nach den persönlichen Befindlichkeiten in der Wichtigkeit einzuordnen. Für mich steht der Wetterschutz ziemlich weit vorn. Allerdings, wasserdicht sind auch Müllsäcke. Im Müllsack läuft der kondensierte Schweiß an der Innenseite herunter und man fühlt sich nass. Die Atmungsaktivität der Klamotte ist gerade an Regentagen enorm wichtig. Also besser in Bekleidung mit einer guten Membrane investieren, als im eigenen Saft schmoren. Gute wetterfeste Bekleidung ist ein System aus Einzelteilen, die gut miteinander funktionieren müssen. Der eigene Dampf muss nach außen geführt werden.

Wetterschutz betrifft für mich nicht nur Regentage, das betrifft auch heiße und sonnige Tage. Da brauch ich natürlich eine gute Belüftung in der Klamotte. Bekleidung mit einer Membrane ist hier eher fehl am Platz. Festgestellt sei, es gibt keine Bekleidung, die für alle klimatischen und wetterbedingten Situationen gleich gut funktioniert.

 

Auch die Optik der Bekleidung ist ein Key-Feature für mich. Ich möchte eine zu mir passende Bekleidung tragen, die mich nicht verkleidet.

Die viel diskutierte Sicherheit ist auch so etwas, wo man viel drüber erzählen kann. Fakt ist, es gibt keine vollumfängliche Absicherung gegen Unfallschäden. Wer allerdings schon mal aufgeschürfte Handflächen hatte, der weiß Bescheid. Eine gute Sicherheitsausstattung in der Bekleidung ist sinnvoll. Glücklicherweise gibt es mittlerweile genug Materialien und Protektoren, die sicherheitstechnisch auf höchstem Stand sind und wenig einschränkende Wirkung auf Passform oder Bequemlichkeit haben.

" Der eigene Dampf muss nach außen geführt werden. "

Du hast viel Erfahrung im Bereich Design und auch im Bereich Zusammenarbeit mit Herstellenden durch deine Tätigkeiten für Hein Gericke und BMW Motorradkleidung gesammelt. Wie stellst du sicher, dass deine Produkte zeitgemässe Ansprüche in den Bereichen soziale und ökologische Fertigungsstandards erfüllen?

Das ist ein ziemlich wichtiger Punkt. Wenn man wie ich sehr lange mit den gleichen Lieferanten z.B. in Asien zusammenarbeitet und diese auch regelmäßig besucht, dann kann man die lokalen Gegebenheiten einschätzen. Die Fragen sind ja: Werden adäquate Löhne bezahlt, gibt es soziale Leistungen oder Ausbildungsprogramme in den Firmen oder eben nicht. Für die Produktionsfirmen, mit den ich zusammenarbeite kann ich schon sagen: Wenn dort nicht gut bezahlt wird oder die Mitarbeiter sich dort nicht wohlfühlen, gehen sie woanders hin. Das Thema Arbeitskräftemangel ist kein ausschließlich deutsches Thema. Für meine Herstellungsfirma in Pakistan helfe ich gerade an der Erarbeitung eines Ausbildungsprogramms für junge Menschen. Eine Lehrausbildung, wie in Deutschland ist in vielen Ländern unüblich.

Ökologische Standards beziehen sich in erster Linie auf die Materialproduktion. Es geht um die Art und Herkunft genutzter Chemikalien, um Verbrauch und Reinigung von Wasser, die Entsorgung von Abfällen und viele andere Themen. Dazu kommt die Notwendigkeit, ab dem nächsten Jahr nur noch Materialien zu verwenden, die PFAS-frei sind. Das betrifft bestimmte chemische Verbindungen, die für Funktionen der Motorradbekleidung, wie wasserabweisende oder öl- und schmutzabweisende Eigenschaften der Stoffe bisher genutzt wurden. Diese Funktionen werden sich verschlechtern, sind aber momentan zu akzeptieren. Eine sogenannte C0-Ausrüstung der Stoffe ist aufgrund der ökologischen Notwendigkeiten unserer Zeit das Ziel. Daran arbeite ich natürlich auch.

Du bist sehr gut in der Motorradwelt vernetzt, arbeitest mit verschiedenen Akteur*innen wie dem Craftwerk in Berlin sowie Unternehmen wie Bad and Bold zusammen, bist präsent auf Events wie dem Haselrodeo und unterstützt innovative Werkstätten wie zB SWT Sports. Wie sind deine Erfahrungen als kleines, unabhängiges Label mit hohem Qualitätsanspruch an den Markt zu gehen, auf dem sich grösstenteils internationale Bigplayer gegenseitig auszustechen versuchen? Was bekommst du von Kund*innen an Feedback?

Glücklicherweise geht die Vernetzung auch noch darüber hinaus, bis hin zu den Webereien, die die Stoffe herstellen und zu den Menschen, die meine „Erstprodukte“ getestet oder auch gekauft haben. Es kommt auch nicht unbedingt auf die Größe an, letztendlich muss ich aber wirtschaftlich arbeiten. Dadurch, dass die Entscheidungswege bei mir ziemlich kurz sind, kann ich auch einfacher und schneller reagieren.

 

Ich habe eine Idee von der Bekleidung, die ich machen möchte und verfolge diese auch. Ich muss einen eigenen Weg finden und gehen. Natürlich ist es letztendlich nur eine Jacke, mit zwei Ärmeln und einem Verschluss. Aber es war von Anfang an die Frage, wo wäre Platz für mich. Es machte für mich wenig Sinn, die nächste abriebfeste Jeans zu bauen. Ich war aber schon immer auf der Suche nach funktionierender Wetterschutzbekleidung mit der ich mich sowohl auf einer Harley als auch auf einer BMW GS wohlfühle.

Das Feedback ist bisher eigentlich nur positiv. Probleme und Kinderkrankheiten ließen sich glücklicherweise schnell erkennen. Diese Erkenntnisse fließen sofort in die nächste Produktion ein. Ich bin extrem neugierig, was dieses Jahr wohl mit sich bringt. Vielleicht finde ich ja auch noch paar neue Händler, die Spaß an meinen Produkten haben.

Wenn wir jetzt hibbelig werden und deine Klamotten auf Touren testen möchten: was sind 5 Dinge, die du unbedingt auf deinen Touren dabei hast und die wir an Bord haben müssen?

  • Regenkombi
  • zweites Paar Handschuhe
  • Leatherman
  • Zelt
  • gute Laune

Haselrodeo & Verkehrsakademie Münsterland
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