Tourenfahrer Magazin

Schlidderparty​

Artikel aus der Dezember Ausgabe:

Schottern für den guten Zweck — karitative Reiseenduro-Veranstaltungen gewinnen weiter an Beliebtheit. Bei der Generalprobe zum Ibbenbürener »Haselrodeo« stand aber vor allem ein Ziel im Mittelpunkt: die pure Freude an gemeinschaftlicher Dreckwühlerei.

Reiseenduristen haben’s nicht leicht. Während Crosser und Sportenduro-Fahrer ihr hochspezialisiertes Material bei einer Vielzahl von Veranstaltungen über Erdhügel und ausrangierte Treckerreifen prügeln können, müssen Dickschifftreiber ihre Geländeexperimente oft ins Ausland verlagern. Learning by Doing weit weg von zu Hause, typischerweise mit Gepäck und abgerubbeltem Stollenprofil. Wo in Deutschland kann man sich schließlich noch einfach aus Lust an Freude und Fahrzeugbeherrschung durchs Gemüse wühlen? Mitten in der Stadt, lautete 2004 die erstaunliche Antwort. Seit 16 Jahren schickt das »WuppEnduro« seine Teilnehmer auf eine alternative Stadtrundfahrt durch Baustellen, Steinbrüche, Landschaftsgärtnereien oder auch mal treppauf, treppab durch verlassene Kasernengebäude. Kein Wettbewerbsstress, nur der reine Spaß am Zusammensein und Ausprobieren. Garniert mit extremer Spendenbereitschaft: Über eine Viertelmillion Euro konnte das Wuppertaler Non-Profit-Event inzwischen an Kinderheime und Stiftungen weiterreichen.
Wir merken: Es geht mehr als gedacht. Jedenfalls wenn sich Leute finden, die Genehmigungen besorgen, Versicherungen auftreiben, Überstunden und schlaflose Nächte investieren. Weshalb das WuppEnduro mit dem »HoenneTrail« und »NeussEnduro« in Nordrhein-Westfalen schon zwei Ableger bekommen hat, die Reiseenduristen ebenfalls Auslauf bieten. Den ganzen Tag fahren, Spaß haben und abends beim Lagerfeuerbier den Schlamm aus den Lachfalten bröckeln lassen: Einfach ein cooles Konzept, dachten auch Lutz Lindemann und seine Freunde. Mit einem Steinbruch, dem Rückhalt des »Bikerhof Haselroth« und der passenden Spotify-Playlist im Gepäck schien der Weg frei für die Rock-’n‘-Roll-Variante des Gelände-Geschunkels: das »Haselrodeo«. Philosophie: Spaß statt Sport, Altmetall vor Hightech und keine Angst vor Kampfspuren. Schon die ersten Testfahrten am zum »Dirtberg« erklärten Dickenberg verliefen zur vollsten Zufriedenheit: »Für mein Bike war es die erste Aus-fahrt in den Dreck nach der neuen Lackierung«, meldete Lutz. »Man könnte also sagen: von fabrikneuem Aussehen zu Schlammschlacht in zehn Minuten. Dazu noch dreimal auf die Fresse gelegt, und endlich sah das Moped wieder schön aus.« Trotzdem sollte das Rodeo natürlich kein Gemetzel werden. Motto: »Wer sich einen Abschnitt nicht zutraut, ist cooler als jemand, der sich überschätzt!« Ehrensache, dass es trotzdem einen Preis für den größten Pechvogel geben sollte. 

Wie damals in der Yamaha-Werbung...

Mit kleiner Einschränkung: »Dummheit wird nicht prämiert!« Helfer. Pokale. Strecken, sogar ein eigens gebrautes Bier waren vorbereitet. Besitzer, Ordnungsamt, Umweltgutachten — alle Probleme schienen gelöst. Dann kam die Seuche.
Der geplante Termin schlidderte durch den Kalender, die Auflagen wuchsen schneller als die Hügel der selbst gebauten Cross-Strecke und erst Mitte September bekamen Lutz und Gefährten endlich Grip unter den Stollen.
Erlaubnis, Hygienekonzept, Umweltgutachten: Nach reichlich Papierkram und wochenlanger Hitzeperiode bot Ibbenbüren wüste Idealbedingungen.
Das geplante Festival geriet zur Mini-Rallye für 40 Glückliche. 30 Männer, zehn Frauen, die in und um drei Steinbrüche eine sehr exklusive Generalprobe erleben konnten. Gefolgt vom vermutlich letzten Sommerabend 2020. »Das war magisch«, resümiert Lutz. »eine wunderschöne Rallye.« Die sich wie ihre Kollegen hoffentlich im nächsten Jahr voll entfalten darf. GB

Wir freuen uns auf ein neues HASELRODEO Zeltlager, um gemeinsam im Dreck zu spielen!

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